Projekt Umfahrung Eglisau im Überblick

Die historische Rheinbrücke bei Eglisau ist seit vielen Jahren ein verkehrstechnisches Nadelöhr auf der Strecke Flughafen – Bülach –Rafzerfeld – Schaffhausen. Mit täglich 22‘000 Fahrzeugen wird das schmucke Städtchen am Rhein von einer Verkehrslawine erdrückt, die grösser ist als der durchschnittliche Tagesverkehr auf der Gotthardautobahn. Besonders gefährlich und nachteilig ist der hohe Lastwagenanteil von 10%, bedingt vor allem durch Kies- und Deponietransporte.

Eine ETH-Studie sowie Prognosen der kantonalen Verwaltung zeigen klar, dass die Stauzeiten auf der hoffnungslos überlasteten Kantonsstrasse in den nächsten Jahren weiter zunehmen werden – eine unerträgliche Situation für Eglisau, die Rafzerfelder Gemeinden, die vom Rest des Kantons Zürich buchstäblich abgeschnitten werden sowie für den Grossraum Bülach.

Kantonsrat entscheidet im Herbst 2014 über die Zukunft der Umfahrung Eglisau

Ein erstes Umfahrungsprojekt mit einer Hochbrücke über den Rhein wurde 1985 vom Zürcher Stimmvolk abgelehnt, siehe Umfahrung Eglisau, eine bewegte Vorgeschichte. Bereits 1988 nahm der Kanton Zürich eine Rheinquerung für eine künftige Umfahrung in den Verkehrsrichtplan auf. Eine Motion von Unterländer Kantonsräten unter der Führung von Werner Scherrer (Bülach, FDP) forderte 2009 die Umsetzung der „Richtplanvariante“ für die Umfahrung Eglisau, kombiniert mit dem Ausbau der Hardwald-Strecke und des Kreisels Chrüzacher. 2012 wurde die Motion im Kantonsrat mit grosser Mehrheit überwiesen und der Regierungsrat beauftragt, eine Kreditvorlage auszuarbeiten.

Unter Berücksichtigung der hohen Anforderungen an die vielfältigen Schutzbedürfnisse (Lärm, Ortsbild, Natur und Umwelt) und der flankierenden Massnahmen wird der Bau der Umfahrung Eglisau – je nach gewählter Linienführung – mehrere hundert Millionen Franken kosten, ein Jahrhundertprojekt für das Unterland. Regierungsrat Ernst Stocker hielt im Februar 2014 fest, dass ein derartiges Projekt finanzierbar sei und der Regierungsrat die Umfahrung als notwendig erachte.

Nach einem negativen Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) zur Bewilligungsfähigkeit der „Richtplanvariante“ für die Umfahrung Eglisau ist nun offen, inwiefern der Kanton Zürich die Projektierung fortsetzt. Siehe dazu: Die Bevölkerung im Unterland soll erneut ihrem Schicksal überlassen werden. Den Entscheid dazu wird der Zürcher Kantonsrat voraussichtlich im Herbst 2014 fällen.

Umfahrung als Chance: mehr Lebensqualität für alle

Die Umfahrung Eglisau ist eine grosse Chance für die Aufwertung der Lebensqualität im Zürcher Unterland. Sie entlastet die Region vom täglichen Verkehrschaos zwischen Bülach und dem Rafzerfeld und hat das Potenzial, das historische Städtchen am Rhein zu neuem Leben zu erwecken: als touristischer Anziehungspunkt und Naherholungsgebiet sowie als Begegnungsort mit vielen kulturellen Aktivitäten für die ganze Region. Ohne dauerhafte Entlastung vom Durchgangsverkehr droht eine schleichende Entwertung: Dorfmärkte verschwinden, Einkaufszentren wuchern an der Peripherie und produzieren noch mehr Verkehr.

Auch die IG Lebenswertes Unterland unterstützt den Schutz des Landschaftsbildes. Doch was nützt er, wenn Lastwagen und Dauerstau die Besucher fernhalten, das Gewerbe behindern und die ganze Region blockieren?

Download Streckenführung Umfahrung Eglisau gemäss Richtplan (bisher geplante Variante)

ETH-Studie zur Umfahrung Eglisau

„Es gibt wohl im ganzen Kanton Zürich kaum eine Gemeinde der Grösse von Eglisau mit derart hoher Belastung auf einer Ortsdurchfahrt“, lautet das Fazit einer ETH-Studie aus dem Jahr 2011. Sie zeigt klar, dass die Kapazitätsgrenze der Durchgangsstrasse in Eglisau in den Spitzenzeiten überschritten ist. Die Folge davon ist der tägliche Stau im Unterland zwischen Bülach und Eglisau. Besonders belastend für Eglisau ist der hohe LKW-Anteil am Transitverkehr, bedingt u.a. durch Kies- und Deponietransporte vom und ins Rafzerfeld und in den süddeutschen Raum.

Die ETH-Studie prognostiziert ein weiteres Verkehrswachstum bis 2030, sowohl in der Ortsdurchfahrt Eglisau wie auch im Kreisel Chrüzacher nördlich von Bülach. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Dauerstaus betragen heute rund 15 Millionen Franken jährlich, bis 2030 steigen sie gemäss der Studie auf rund 20 Millionen Franken. Nicht zuletzt macht die Studie deutlich, dass das Zürcher Unterland eine Gesamtlösung braucht, welche den Ausbau des Streckenabschnitts im Hardwald, des Kreisels Chrüzstrasse sowie die Umfahrung Eglisau umfasst. Werden nur einzelne Teile des Gesamtpakets verbessert, verschlechtern sich die Bedingungen andernorts.

Download ETH-Studie

Umfahrung Eglisau - eine bewegte Vorgeschichte

2014 Gründung der IG Lebenswertes Unterland im Rahmen eines kleinen Volksfestes vom 6. Juli in Eglisau. Die IG versteht sich als Stimme der Bevölkerung und setzt sich für eine rasche Realisierung der Umfahrung Eglisau ein. Ziel ist es, die Lebensqualität im ganzen Unterland zu verbessern.
2014 Regierungsrat Ernst Stocker bekräftigt an einer Informationsveranstaltung vom 9. Februar in Eglisau, dass die Umfahrung Eglisau finanzierbar und notwendig sei.
2014 Der Regierungsrat empfiehlt aufgrund des Gutachtens der ENHK am 30. Januar, die Motion für die Projektierung der Umfahrung Eglisau als nicht erfüllbar abzuschreiben. Der Autobahnzusammenschluss Bülach – Glattfelden durch den Ausbau im Hardwald und des Kreisels «Chrüzstrasse» soll jedoch vorangetrieben werden.
2013 Grüne und Grünliberale verlangen am 16. Dezember in zwei Anträgen im Kantonsrat, die Projektierungskosten für die Umfahrung Eglisau, den Ausbau des Kreisels Chrüzstrasse sowie für den Streckenabschnitts im Hardwald zu streichen. Mit 134:40 Stimmen hält der Kantonsrat an der Projektierung der Umfahrung Eglisau fest.

Ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) hält fest, dass die Rheinbrücke das BLN Schutzobjekt Hochrhein-Bodensee durchquert und eine „schwere Beeinträchtigung“ des Landschaftsbildes darstellt. Eine Realisierung der Umfahrung Eglisau an der im Richtplan vorgesehenen Stelle sei deshalb nicht bewilligungsfähig.
2012 Der Kantonsrat beschliesst am 20. August mit 136:38 Stimmen, die Motion für die Umfahrung Eglisau zu überweisen. Das Geschäft geht an den Regierungsrat zu Ausarbeitung einer Vorlage mit Bericht und Antrag innert dreier Jahre (plus 1 Jahr).
2010 Am 18. März 2010 reicht Hans Fehr (SVP/ZH) eine dringliche Anfrage an den Bundesrat ein: „Aufnahme der Umfahrung Eglisau ins Nationalstrassennetz“

Antwort Bundesrat im Mai: Die Umfahrung Eglisau erfüllt die Kriterien für eine Verbindung von nationaler Bedeutung nicht. Somit sieht der Bundesrat keinen Grund, eine Aufnahme ins Nationalstrassennetz weiterzuverfolgen.
2009 Die Unterschriften werden am 23. Februar 2009 in Zürich an die Kantonsratspräsidentin Regula Thalmann, und die Volkswirtschaftsdirektorin, Regierungsrätin Rita Fuhrer, übergeben. Am gleichen Tag reichen Werner Scherrer (Bülach, FDP), Matthias Hauser (Hüntwangen, SVP) und Corinne Thomet (Kloten, CVP) zwei Motionen ein, die inhaltlich die Ideen der Petition aufnehmen.

Gründung des Vereins Umfahrung Eglisau mit dem Ziel, die Ideen der Petition voranzutreiben.
2008 In knapp drei Monaten unterschreiben 7445 Personen die vom Gewerbeverein Bülach initiierte Petition „Umfahrung Eglisau“.
2002 Beschluss im Kantonsrat am 24. Juni: Die Behördeninitiative von Eglisau wird nicht definitiv unterstützt.
2001 Der Regierungsrat bittet mit Beschluss vom 11. April 2001 um eine Fristerstreckung für Berichterstattung und Antragstellung zur Behördeninitiative «Bau der Umfahrung Eglisau». Der Kantonsrat stimmt der Fristerstreckung am 20. August 2001 zu.

Stellungnahme Regierungsrat zur Vorlage 12. September: Das Projekt ist vorläufig nicht finanzierbar. Der Regierungsrat beantragt deshalb dem Kantonsrat, die Behördeninitiative für die Umfahrung nicht definitiv zu unterstützen.
1999 Der Gemeinderat Eglisau reicht am 14. September eine Behördeninitiative ein. Der Kantonsrat unterstützt sie am 20. Dezember vorläufig mit 107 Ja-Stimmen.
1996 Antwort Regierungsrat Hans Hofmann (SVP): Das Problem ist erkannt, aber der Antrag "Motion abschreiben" erfolgt nun aus rein finanziellen Überlegungen.

Die Motion wird am 26. August mit 88 zu 64 Stimmen abgeschrieben.
1993 Am 18. Januar überweist der Kantonsrat die Motion an den Regierungsrat zu Bericht und Antrag.
1991 Am 2. September 1991 reichen Hans Fehr (SVP, Eglisau) und Hans Rutschmann (SVP, Rafz) eine neue Motion für die Umfahrung Eglisau ein. Der Regierungsrat beantragt im November, die Motion nicht zu überweisen.
1988 Die Umfahrung Eglisau wird in den kantonalen Verkehrsrichtplan aufgenommen.
1985 Die Zürcher Stimmbevölkerung lehnt an der Abstimmung vom 10. März 1985 den Bau der Umfahrung Eglisau mit 204'013 Nein- (71 Prozent) gegen 83'700 Ja-Stimmen deutlich ab. Damit findet das erste Umfahrungsprojekt ein jähes Ende.

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